„Jahreszeiten“: Kampf um eine Liebe

VON UWE MIES
Es war nur ein schlimmer Traum: Bahar ist nicht von ihrem Mann Isa im Sand begraben worden. Trotzdem ist ihr klar, dass die Beziehung auch durch den Sommerurlaub am Strand nicht mehr zu kitten ist. Es herrschen Kälte und Sprachlosigkeit zwischen ihnen. Bahar verlässt daraufhin ihren Mann und Isa kehrt zurück nach Istanbul, wo er Archäologie doziert. Dort sucht er Betäubung in einer wiederholten Affäre mit seiner alten Freundin Serap, die nicht ganz unschuldig an der Trennung mit Bahar ist. Als ihm das nicht reicht, folgt er Bahar ins osttürkische Hinterland, wo diese die Dreharbeiten eines Films betreut. Er beschließt, um ihre Liebe zu kämpfen

Szenen einer Ehe im Auflösungszustand: Dieser alte Ingmar-Bergman-Topos erlebt in der Bearbeitung des vielleicht interessantesten Filmautors des modernen türkischen Kinos eine Umsetzung von geradezu analytischer Klarheit und dramatischer Präzision.

Nuri Bilge Ceylan („Uzak - Weit“) zeigt in der Rolle des Isa nicht nur ein psychologisch stringentes Porträt eines selbstsüchtigen Intellektuellen, sondern auch eine beachtliche schauspielerische Präsenz, flankiert von zwei außerordentlichen Aktricen: Ebru Ceylan und Nazan Kesal. Ein faszinierender Film, der umso mehr fesselt, je tiefer er in seine Figuren eindringt.