Die bittere Geschichte einer Trennung

Die bittere Geschichte einer Trennung erzählt der türkische Antonioni Nuri Bilge Ceylan ("Uzak - Weit") in überwältigenden Bildkompositionen.

Archäologiedozent Isa (Nuri Bilge Ceylan) und die jüngere Szenenbildnerin
Bahar (Ebru Ceylan) haben sich im Sommerurlaub in Kas nichts mehr zu sagen,
eine alte Affäre Isas lastet auf dem Paar, vor Freunden herrscht Schweigen.
In ihrer Verzweiflung provoziert Bahar einen Unfall mit dem Motorroller. Man
beschließt eine zeitweilige Trennung. Zurück in Istanbul, nimmt Isa die auf
Sex reduzierte Affäre mit Ex-Freundin Serap (Nazan Kesal) wieder auf. Einem
Impuls folgend, reist Isa Bahar, für Filmaufnahmen mit der TV-Crew in
Ostanatolien, hinterher. Zu spät: Zögerliche Aussprachen führen zum
endgültigen Bruch.

Nuri Bilge Ceylan, der 2003 in Cannes mit "Uzak - Weit" (Großer Preis der
Jury) seinen internationalen Durchbruch erlebte, spielt mit seiner
bildschönen Ehefrau Ebru das Paar, das wie Marcello Mastroianni und Jeanne
Moreau in Michelangelo Antonionis "La Notte" (1961) am Ende der Worte
angekommen ist. Isa ist unfähig, sich auszudrücken, will es auch nicht,
lässt sich treiben, hat mit Serap heftigen wortlosen Sex auf dem Fußboden,
wird von der Geliebten geduldet, nicht akzeptiert. Ebru hingegen vermittelt
sehr wohl Gefühle und den Schmerz des Scheiterns, ob in der Wiedergabe eines
Traums oder mit sprechenden Blicken und lässt die ihr von Isa geschenkte
Spieluhr mit "Für Elise" liegen.

Ceylan inszeniert die weitgehend aus Isas Perspektive erzählte melancholisch-bittere und ehrliche Trennungsgeschichte in überwältigenden Bildkompositionen. Angeschnittene Großaufnahmen und lange ungeschnittene Einstelllungen lassen filmische Gemälde entstehen, deren Vermögen, die Natur als Entsprechung der Seelenlandschaften einzubeziehen, sensationell ist. Ob in Säulenruinen, am sonnendurchglühten Strand, im Schneetreiben Anatoliens, wo Bilder wie von Theo Angelopoulos ("Die Ewigkeit und ein Tag", "Landschaft im Nebel") erscheinen, oder beim Blick auf eine Stadt (Zitat aus "Uzak"): Bei den überaus sinnlichen Bildern dieses Meisterwerks stockt der Atem.“